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Astronomen entdecken erstmals ein wanderndes Schwarzes Loch am Rand einer Galaxie

Schwarze Löcher

Astronomen entdecken erstmals ein wanderndes Schwarzes Loch am Rand einer Galaxie

05.08.2026

Ein Gezeitenzerreißungsereignis verriet ein rund 1,2 Millionen Sonnenmassen schweres Schwarzes Loch, das 30.000 Lichtjahre abseits des Zentrums seiner Wirtsgalaxie treibt, aufgespürt von einem eigens trainierten KI-Klassifikator.

Astronomen der University of Maryland haben erstmals ein sogenanntes wanderndes Schwarzes Loch anhand eines Sterns nachgewiesen, den es gerade zerriss. Das Objekt sitzt 9,3 Kiloparsec, umgerechnet rund 30.000 Lichtjahre, abseits des Zentrums seiner Wirtsgalaxie, wo eigentlich kein Schwarzes Loch zu erwarten wäre. Eine eigene Galaxie ist um das Objekt herum nicht mehr zu erkennen. Die Studie ist am 27. Juli 2026 im Fachjournal The Astrophysical Journal Letters erschienen.

Sichtbar wurde das Schwarze Loch nur, weil es einen vorbeikommenden Stern durch seine Gezeitenkräfte zerriss, ein sogenanntes Tidal Disruption Event, katalogisiert als TDE 2025abcr. Laut der Publikation ist es das erste optisch entdeckte Ereignis dieser Art im Außenbereich einer Wirtsgalaxie überhaupt. Aufgespürt wurde das charakteristische Aufleuchten von einem eigens entwickelten KI-Klassifikator, der die Durchmusterungsdaten der Zwicky Transient Facility gezielt nach Transienten abseits von Galaxienkernen durchsucht. Das Programm ging im August 2025 in Betrieb, drei Monate später, im November 2025, fand es den Fall.

Die Messwerte aus der Studie fallen deutlich aus: Das wandernde Schwarze Loch selbst bringt es auf rund 1,2 Millionen Sonnenmassen. Seine Wirtsgalaxie dagegen ist außergewöhnlich massereich, mit einer Sternmasse von rund 151 Milliarden Sonnenmassen und einem eigenen zentralen Schwarzen Loch von schätzungsweise 660 Millionen Sonnenmassen. Das wandernde Schwarze Loch ist damit deutlich leichter als das zentrale Schwarze Loch seiner Wirtsgalaxie. Zur Einordnung: Das entspricht größenordnungsmäßig dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße, Sagittarius A*, mit rund 4,3 Millionen Sonnenmassen.

Hauptautor Robert Stein, Postdoktorand am Joint Space-Science Institute, beschreibt den Moment der Entdeckung so: "Ich erinnere mich sehr genau an den Moment unserer Entdeckung. Es war ein Samstag, und alle waren begeistert." Das Team verweist zudem auf das Lowell Discovery Telescope mit seinem im Juni 2025 in Betrieb genommenen Spektrografen RIMAS, der künftig Gezeitenzerreißungsereignisse aus deutlich größerer Entfernung nachweisbar machen soll als bisher möglich.

Wie ein derart massereiches Schwarzes Loch ganz ohne erkennbare eigene Galaxie an den Rand einer anderen Galaxie geraten konnte, ist offen. Die Studie nennt zwei mögliche Erklärungen: Entweder wurde eine kleinere Galaxie von der größeren kannibalisiert und dabei nach und nach ihrer Sterne beraubt, bis nur noch ihr zentrales Schwarzes Loch übrig blieb. Oder das Schwarze Loch wurde bei einer Drei-Körper-Wechselwirkung aus dem Kern seiner ursprünglichen Galaxie geschleudert, etwa weil ein drittes Schwarzes Loch aus einer weiteren Verschmelzung ein bereits bestehendes Doppelsystem störte. Ko-Autorin Suvi Gezari, außerordentliche Professorin für Astronomie an der University of Maryland, dazu: "Solch ein großes Schwarzes Loch außerhalb einer Galaxie überrascht mich. Es sollte ein Milchstraßen-ähnliches Objekt um es herum geben." Ko-Autor Sylvain Veilleux, Astronomie-Professor an der University of Maryland, ordnet den Fund so ein: "Das ist der stärkste bekannte Fall eines wandernden Schwarzen Lochs. Das wird zum Maßstab."

Für die Forschenden ist der Fund erst der Anfang. Das neue Vera C. Rubin Observatory in Chile, das im Juni 2025 mit ersten Testbildern an den Start ging und im Juni 2026 den regulären Vermessungsbetrieb aufnahm, soll nach Einschätzung des Teams künftig Dutzende bis Hunderte wandernder Schwarzer Löcher pro Jahr aufspüren. Ko-Autorin Suvi Gezari dazu: "Es ist super spannend. Es ist ein Beispiel dafür, wie maschinelles Lernen ein ganz neues Forschungsfeld eröffnet." Für die Erde besteht nach Angaben Steins keine Gefahr: "Wir werden sehr wahrscheinlich keinem begegnen, zumindest nicht in unserem Leben."

Das Wichtigste
  • Erstes optisch entdecktes Gezeitenzerreißungsereignis (TDE 2025abcr) am Rand einer Galaxie, 9,3 Kiloparsec (rund 30.000 Lichtjahre) vom Zentrum entfernt
  • Entdeckt durch einen KI-Klassifikator, der Durchmusterungsdaten der Zwicky Transient Facility nach Transienten abseits von Galaxienkernen durchsucht (Start August 2025, Fund im November 2025)
  • Das Schwarze Loch selbst wiegt rund 1,2 Millionen Sonnenmassen, seine Wirtsgalaxie ist mit 151 Milliarden Sonnenmassen Sternmasse und einem 660 Millionen Sonnenmassen schweren Zentrum außergewöhnlich massereich
  • Herkunft ungeklärt: entweder Rest einer von der Wirtsgalaxie kannibalisierten Zwerggalaxie oder durch eine Drei-Körper-Wechselwirkung aus einem Galaxienkern geschleudert
  • Veröffentlicht am 27. Juli 2026 in The Astrophysical Journal Letters; das neue Vera C. Rubin Observatory soll künftig deutlich mehr solcher Objekte aufspüren

Wie diese Meldung entstanden ist: Recherchiert und geschrieben mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben genannten Quellen, anschließend automatisiert gegen die Originalquellen geprüft und überarbeitet. Redaktionell verantwortlich: Sirwan Aminy.

Stand: 13.08.2026, 01:53 Uhr MESZ · Mars Chroniken Redaktion

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