Zum Inhalt springen

Chinas Tianwen-2 erreicht Asteroid Kamo'oalewa nach einer Milliarde Kilometern

Asteroidenmissionen

Chinas Tianwen-2 erreicht Asteroid Kamo'oalewa nach einer Milliarde Kilometern

06.07.2026

Nach rund 400 Tagen und etwa einer Milliarde Kilometern hat sich die chinesische Sonde bis auf 20 Kilometer genähert - und findet ihr Ziel deutlich kleiner als erwartet, was die geplante Probenahme erschwert.

Die chinesische Raumsonde Tianwen-2 hat sich dem erdnahen Asteroiden Kamo'oalewa bis auf 20 Kilometer genähert und damit die entscheidende Annäherungsphase ihrer Mission abgeschlossen. Rund 400 Tage und etwa eine Milliarde Kilometer nach dem Start am 29. Mai 2025 vom Weltraumbahnhof Xichang meldete die China National Space Administration (CNSA) am 6. Juli die Ankunft und veröffentlichte erste Nahaufnahmen des Himmelskörpers. Die eigentliche Annäherung auf die 20-Kilometer-Marke fand nach Angaben mehrerer Fachmedien bereits am 2. Juli statt.

Ziel der Mission ist der offiziell als 469219 Kamo'oalewa katalogisierte Asteroid, besser bekannt unter seiner vorläufigen Bezeichnung 2016 HO3. Das hawaiianische Pan-STARRS-Teleskop entdeckte ihn am 27. April 2016, sein Name bedeutet sinngemäß oszillierendes himmlisches Fragment. Kamo'oalewa ist ein sogenannter Quasi-Satellit der Erde: Er umkreist zwar die Sonne auf einer eigenen Bahn, erscheint von der Erde aus wegen einer 1:1-Resonanz mit unserem Planeten aber so, als würde er die Erde selbst umrunden. Sein Abstand zur Erde schwankt zwischen 0,1 und 0,3 Astronomischen Einheiten, seine stabile Bahnlage besteht Berechnungen zufolge seit rund 100 Jahren und dürfte noch etwa 300 weitere Jahre anhalten.

Die ersten Nahaufnahmen bringen bereits eine handfeste Überraschung: Kamo'oalewa ist deutlich kleiner als angenommen. Bodengestützte Teleskope hatten den Durchmesser zuletzt auf 40 bis 100 Meter geschätzt, chinesische Fachleute gingen zuletzt von rund 57 Metern aus. Die Daten von Tianwen-2 legen nun nur noch 20 bis 30 Meter nahe, ein am 1. Juli veröffentlichtes Fachpreprint kommt sogar auf lediglich 18 Meter. Dieser Asteroid scheine etwas kleiner zu sein als zuvor vorhergesagt, er dürfte nur etwa 20 bis 30 Meter groß sein, wird Zhang Pengfei vom Institut für Geochemie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften zitiert. Zum Vergleich: Der japanische Asteroid Ryugu, Ziel der Mission Hayabusa2, misst rund 900 Meter, der amerikanische Bennu, den die NASA-Sonde OSIRIS-REx besuchte, etwa 500 Meter. Ein derart kleines, unregelmäßig geformtes Objekt macht die geplante Probenahme nach Einschätzung von Fachleuten deutlich anspruchsvoller als bei den bisherigen Vorbildmissionen.

Die neuen Daten befeuern zugleich eine seit Jahren offene wissenschaftliche Debatte: Ist Kamo'oalewa ein gewöhnlicher Asteroid, oder handelt es sich um ein Bruchstück, das einst durch einen Einschlag vom Mond abgesprengt wurde? Der US-Astronom Benjamin Sharkey hatte diese Mondursprungs-Hypothese 2021 selbst aufgebracht. Sein neues, mit dem James-Webb-Weltraumteleskop gemessenes Spektrum des Asteroiden wirkt nun deutlich weniger rot als seine Messung von 2021, ein Hinweis gegen den Mondursprung. Der Astronom Mikael Granvik von der Universität Helsinki und der Luleå University of Technology zog nach Sichtung des ersten Tianwen-2-Bildes den Schluss: Es sehe also so aus, als sei Kamo'oalewa asteroidalen Ursprungs. Eine endgültige Antwort dürften erst die Proben liefern, die Tianwen-2 zur Erde zurückbringen soll.

Für die Probenahme selbst hat die chinesische Raumfahrtbehörde die Sonde mit drei unterschiedlichen, redundant einsetzbaren Verfahren ausgestattet: einem berührungslosen Schwebeverfahren, einer kurzen Touch-and-go-Berührung sowie einem Verankerungsverfahren mit Greifarmen. Damit soll Tianwen-2 auf die unvorhersehbare, möglicherweise stark zerklüftete Oberfläche eines derart kleinen Körpers reagieren können. Vor dem eigentlichen Probengriff wird die Sonde nach CNSA-Angaben zunächst mehrere Monate lang aus der Nähe kartieren und Form, Materialzusammensetzung und innere Struktur des Asteroiden untersuchen, um eine geeignete Entnahmestelle festzulegen.

Der Zeitplan sieht vor, dass Tianwen-2 im April 2027 wieder von Kamo'oalewa abhebt und die Probenkapsel im November 2027 in der chinesischen Wüste Gobi landet. Danach ist die Mission noch nicht beendet: Tianwen-2 soll anschließend weiterfliegen und im Januar 2035 den Hauptgürtelkometen 311P/PanSTARRS erreichen. Gelingt das, hätte Tianwen-2 binnen rund zehn Jahren sowohl einen erdnahen Asteroiden als auch einen Kometen aus der Nähe untersucht.

Das Wichtigste
  • Tianwen-2 erreicht nach rund 400 Tagen und etwa 1 Milliarde Kilometern Flug den Asteroiden Kamo'oalewa (469219, vormals 2016 HO3)
  • Der Asteroid ist deutlich kleiner als erwartet: nur rund 18 bis 30 statt der geschätzten 40 bis 100 Meter, was die Probenahme erschwert
  • Neue Daten sprechen eher gegen die Hypothese, Kamo'oalewa sei ein vom Mond abgesprengtes Bruchstück
  • Probenahme über drei redundante Verfahren geplant, Rückkehr der Kapsel zur Erde im November 2027
  • Anschließend Kurs auf den Kometen 311P/PanSTARRS, Ankunft um Januar 2035 geplant

Wie diese Meldung entstanden ist: Recherchiert und geschrieben mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben genannten Quellen, anschließend automatisiert gegen die Originalquellen geprüft und überarbeitet. Redaktionell verantwortlich: Sirwan Aminy.

Stand: 13.08.2026, 01:54 Uhr MESZ · Mars Chroniken Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Are you human? Please solve:Captcha