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Starship Flug 1: Der Jungfernflug, der Starbase in Schutt legte

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Starship-Chronik · Booster 7 / Ship 24 (Block 1)

Starship Flug 1: Der Jungfernflug, der Starbase in Schutt legte

Booster 7 und Ship 24 hoben als stÀrkste je gebaute Rakete ab und rissen dabei einen Krater ins Startpad, ehe das Flugabbruchsystem den taumelnden Stack nach vier Minuten zerstörte

Fehlschlag20. April 2023
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Am 20. April 2023 hob zum ersten Mal ein kompletter Starship-Stack ab: Booster 7 und Ship 24, zusammen 120 Meter hoch, mit nominell rund 74.000 Kilonewton (etwa 7.550 Tonnen Schubkraft) die stÀrkste Rakete der Geschichte - etwa doppelt so krÀftig wie die Saturn V. SpaceX hatte die Erwartungen vorab bewusst tief gehÀngt: Schon das intakte Verlassen des Startpads sollte als Erfolg gelten. Genau das gelang, viel mehr aber nicht.

Drei der 33 Raptor-Triebwerke liefen beim Abheben nicht, ab Sekunde 27 traten ein Leck und BrĂ€nde im Heck des Boosters auf, und bei T+85 Sekunden fiel die Schubvektorsteuerung komplett aus. Statt der geplanten Stufentrennung ĂŒberschlug sich der Stack in rund 39 Kilometern Höhe mehrfach, bis das Flugabbruchsystem ihn nach knapp vier Minuten ĂŒber dem Golf von Mexiko zerstörte. Nach SpaceX-Angaben hatten die Sprengladungen bereits rund 40 Sekunden vor der sichtbaren Zerstörung gezĂŒndet, der Stack flog aber weiter.

Offiziell zĂ€hlte der Flug als Fehlschlag: keine Stufentrennung, Verlust des kompletten Fahrzeugs, dazu ein zerstörtes Startpad ohne Flammengraben und Wasserdeluge, das Betonbrocken hunderte Meter weit schleuderte. Zugleich bewies Flug 1 die Grundfrage: Das grĂ¶ĂŸte je gebaute FluggerĂ€t kann abheben und die Phase maximaler aerodynamischer Belastung ĂŒberstehen. Die Lehren daraus, allen voran Hot Staging, ein neues Wasserflutungssystem und ein ĂŒberarbeitetes Flugabbruchsystem, prĂ€gten sĂ€mtliche folgenden Starship-FlĂŒge.

Ergebnis

Offizieller Fehlschlag: keine Stufentrennung, Totalverlust des Fahrzeugs nach rund vier Minuten und ein zerstörtes Startpad. Der Flug bewies aber, dass die stĂ€rkste je gebaute Rakete abheben und Max Q ĂŒberstehen kann, und lieferte die Datenbasis fĂŒr alle folgenden Starship-Tests.

Die Ziele
  • Ersten integrierten Testflug des kompletten Starship-Systems durchfĂŒhren: Booster und Ship erstmals gemeinsam im Flug erproben
  • Das Startpad intakt verlassen, die von Elon Musk vorab formulierte Minimallatte fĂŒr einen Erfolg
  • Max Q ĂŒberstehen, die Phase der höchsten aerodynamischen Belastung
  • Stufentrennung per Flip-Manöver demonstrieren (Hot Staging kam erst ab Flug 2 zum Einsatz)
  • Einen nahezu kompletten Erdumlauf fliegen: Wiedereintritt von Ship 24 und Wasserung vor Hawaii nach rund 90 Minuten, Booster-Wasserung im Golf von Mexiko
  • Flugdaten sammeln nach SpaceX-Testphilosophie: fliegen, scheitern, lernen
Der Flugverlauf
  1. 17. April 2023: Erster Startversuch wegen eines eingefrorenen Druckventils im Booster abgebrochen, kurzerhand zur Betankungsgeneralprobe erklÀrt
  2. 20. April 2023, 13:33 UTC (15:33 MESZ): Liftoff von Starbase. Drei der 33 Raptor-Triebwerke laufen nicht, die Rakete driftet sichtbar seitlich vom Pad weg
  3. Ohne Flammengraben und Wasserdeluge zerlegt der Abgasstrahl beim Abheben das Startpad, Betonbrocken fliegen hunderte Meter weit, Staub regnet auf das rund 10 km entfernte Port Isabel
  4. T+27 Sekunden: Im Heck des Boosters beginnt ein Treibstoffleck, BrÀnde breiten sich aus, weitere Triebwerke fallen nach und nach aus
  5. Rund eine Minute nach dem Start: Max Q ist durchflogen, spÀter und bei geringerem Staudruck als geplant, aber die Struktur hÀlt der höchsten aerodynamischen Belastung stand
  6. T+85 Sekunden: Die Schubvektorsteuerung fÀllt aus, der Stack ist faktisch nicht mehr lenkbar
  7. Ab etwa T+2:30: Statt der fĂŒr T+2:52 geplanten Stufentrennung beginnt der Stack zu taumeln und ĂŒberschlĂ€gt sich mehrfach, Scheitelhöhe rund 39 km
  8. Knapp vier Minuten nach dem Start: Die Rakete zerbricht ĂŒber dem Golf von Mexiko. Die Sprengladungen des Flugabbruchsystems hatten laut SpaceX bereits rund 40 Sekunden vorher gezĂŒndet, der Stack flog trotzdem weiter
  9. Nachspiel: FAA-Grounding und Mishap-Untersuchung mit 63 Korrekturmaßnahmen, Pad-Neuaufbau mit wassergekĂŒhlter Stahlplatte. Flug 2 folgt am 18. November 2023, erstmals mit Hot Staging
Zahlen und Fakten
Startdatum20.04.2023, 13:33 UTC (15:33 MESZ)
Flugdauerca. 4 Minuten (Zerstörung bei T+4:00)
Maximale Höheca. 39 km
Triebwerke33 Raptor am Booster, 3 davon beim Abheben inaktiv
Startschubnominell ca. 74.000 kN (ca. 7.550 t Schubkraft), etwa das Doppelte der Saturn V
Stack-Höhe120 m
Nutzlastkeine (reiner Testflug)
Geplante Flugdauerca. 90 Minuten bis zur Wasserung vor Hawaii
Die Einordnung

Flug 1 war der Moment, in dem Starship von der Theorie in die Praxis ĂŒberging: Der Beweis, dass das grĂ¶ĂŸte je gebaute Raketensystem abheben und die Phase maximaler aerodynamischer Belastung ĂŒberstehen kann, wog schwerer als der spĂ€tere Verlust des Fahrzeugs. FĂŒr das Programm zĂ€hlte vor allem, was danach kam: Die 63 von der FAA verlangten Korrekturmaßnahmen, das neue Wasserflutungssystem unter dem Pad und die ab Flug 2 eingefĂŒhrte Hot-Staging-Trennung gehen direkt auf die hier gesammelten Daten zurĂŒck. Ohne diesen ersten, spektakulĂ€r gescheiterten Start hĂ€tte SpaceX die iterative Entwicklung, fĂŒr die das Unternehmen bekannt ist, nicht in diesem Tempo fortsetzen können.

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Quellen
Stand: 30.07.2026, 14:43 Uhr MESZ · Recherche mit Faktencheck, Quellen je Mission · Mars Chroniken Redaktion