← Starship · Chronik 13/23
Starship-Chronik · Block 1 · B10 / S28
Starship Flug 3: Der erste fast-orbitale Flug - und die Feuertaufe im All
Integrierter Testflug 3 (IFT-3), 14. MĂ€rz 2024: Booster 10 und Ship 28 zeigen erstmals NutzlasttĂŒr, Treibstoff-Umpumpen und Live-Wiedereintrittsbilder - verlieren am Ende aber beide Stufen.
▶
IFT3: Starship erreicht Orbit - Detaillierte FluganalyseFluganalyse · Mars Chroniken
Am 14. MĂ€rz 2024 startete der dritte integrierte Testflug des Starship-Systems von Starbase, Texas - ausgerechnet am 22. GrĂŒndungstag von SpaceX. Booster 10 und Ship 28 hoben um 14:25 MEZ ab, nachdem Flug 2 im November 2023 mit dem Verlust beider Stufen geendet hatte. Die zentrale Frage: Schafft Starship erstmals einen vollstĂ€ndigen Aufstieg bis zur planmĂ€Ăigen Triebwerksabschaltung der Oberstufe.
Die Antwort war ein klares Ja. Alle 33 Raptor-Triebwerke des Boosters brannten bis zur heiĂen Stufentrennung durch, und Ship 28 erreichte erstmals nahezu Orbitalgeschwindigkeit auf einer neuen, suborbitalen Flugbahn Richtung Indischer Ozean. In der Freiflugphase testete SpaceX zum ersten Mal echte Missionselemente: das Ăffnen und SchlieĂen der NutzlasttĂŒr sowie das Umpumpen von flĂŒssigem Sauerstoff zwischen zwei Tanks im Rahmen eines NASA-Vertrags - ein Grundbaustein fĂŒr die Orbitalbetankung, ohne die keine Mond- oder Marsmission funktioniert.
Am Ende gingen dennoch beide Stufen verloren: Der Booster schlug nach einem fehlerhaften Boostback- und Landebrand (blockierte Sauerstofffilter) in nur rund 462 Metern Höhe ĂŒber dem Golf von Mexiko auf. Ship 28 taumelte wegen ausgefallener Rollsteuerung unkontrolliert in die AtmosphĂ€re und verglĂŒhte nach rund 49 Minuten Flugzeit, kurz bevor die geplante Wasserung im Indischen Ozean erreicht worden wĂ€re.
Trotzdem wertete SpaceX Flug 3 als groĂen Erfolg - und die Ăffentlichkeit sah live mit: Erstmals wurden die glĂŒhenden Plasmabilder des Wiedereintritts per Starlink in Echtzeit ĂŒbertragen, eine Premiere der Raumfahrtgeschichte. NASA-Chef Bill Nelson gratulierte öffentlich, weil Starship als Mondlander fĂŒr Artemis gebraucht wird. Die FAA ordnete fĂŒr beide Stufen eine Mishap-Untersuchung an, deren Erkenntnisse direkt in Flug 4 einflossen.
Als Erfolg gewertet: Erstmals vollstĂ€ndiger Aufstieg mit fast orbitaler Geschwindigkeit, erste Tests im All (NutzlasttĂŒr, Treibstoff-Umpumpen) und erste Wiedereintrittsdaten mit Live-Plasmabildern. Beide Stufen gingen am Ende dennoch verloren - der Booster beim Landeanflug ĂŒber dem Golf von Mexiko, das Schiff beim unkontrollierten Wiedereintritt nach rund 49 Minuten.
- VollstĂ€ndiger Aufstieg beider Stufen mit heiĂer Stufentrennung, erstmals bis zur planmĂ€Ăigen Triebwerksabschaltung des Ships.
- Ăffnen und SchlieĂen der NutzlasttĂŒr (Pez-Dispenser-TĂŒr) im Weltraum.
- Erste Umpump-Demonstration im All: flĂŒssiger Sauerstoff zwischen zwei Tanks (NASA-Tipping-Point-Vertrag, Vorarbeit fĂŒr Orbitalbetankung).
- WiederzĂŒndung eines Raptor-Triebwerks im All (wurde im Flug gestrichen).
- Kontrollierter Wiedereintritt des Ships mit Wasserung im Indischen Ozean.
- Boostback und Landebrennung des Boosters mit weicher Wasserung im Golf von Mexiko.
- Liftoff um 14:25 MEZ (13:25 UTC) von Starbase, Texas. Alle 33 Raptor-Triebwerke von Booster 10 zĂŒnden und brennen die volle Aufstiegsphase durch.
- Bei etwa T+2:44 heiĂe Stufentrennung (Hot Staging): Ship 28 zĂŒndet seine sechs Raptor-Triebwerke, wĂ€hrend der Booster noch schiebt - zum zweiten Mal erfolgreich.
- Booster 10 zĂŒndet den Boostback-Burn, doch sechs der 13 kommandierten Triebwerke schalten vorzeitig ab.
- Bei der Landebrennung zĂŒnden nur zwei der sieben kommandierten Triebwerke - der Booster geht in rund 462 m Höhe ĂŒber dem Golf von Mexiko verloren. SpaceX identifizierte spĂ€ter blockierte Filter in der Sauerstoffzufuhr als Ursache.
- Bei etwa T+8:35 planmĂ€Ăige Triebwerksabschaltung des Ships (SECO) - erstmals erreicht ein Starship auf der geplanten Bahn annĂ€hernd Orbitalgeschwindigkeit.
- In der Freiflugphase: Ăffnen und SchlieĂen der NutzlasttĂŒr (Pez-Dispenser-TĂŒr) sowie eine Demonstration des Umpumpens von flĂŒssigem Sauerstoff zwischen zwei Tanks im Rahmen eines NASA-Vertrags. Die geplante Raptor-WiederzĂŒndung wird wegen unerwĂŒnschter Rollbewegungen gestrichen.
- Wiedereintritt ĂŒber dem Indischen Ozean mit erstmals live via Starlink ĂŒbertragenen Plasmabildern - eine Weltpremiere der Raumfahrtgeschichte.
- Das Schiff taumelt wegen ausgefallener Rollkontrolle (verstopfte Ventile der SteuerdĂŒsen) unkontrolliert in die AtmosphĂ€re. Signalverlust bei etwa T+49 Minuten in rund 65 km Höhe, Ship 28 verglĂŒht.
Flug 3 markierte den Moment, in dem SpaceX aus dem reinen Beweis der Aufstiegsarchitektur (Flug 1 und 2) in die Testphase der OrbitalfĂ€higkeit ĂŒbertrat: Erstmals erreichte ein Starship nahezu Orbitalgeschwindigkeit auf der geplanten Flugbahn, und mit der NutzlasttĂŒr und dem Treibstoff-Umpumpen liefen zum ersten Mal echte Missionsdemonstrationen im All, die direkt auf NASAs Artemis-Mondlander-Vertrag einzahlten. Die live ĂŒbertragenen Plasmabilder beim Wiedereintritt setzten zugleich einen kommunikativen MaĂstab, den kein anderes Raumfahrtprogramm zuvor erreicht hatte. Dass beide Stufen am Ende dennoch verloren gingen, zeigte, wie weit der Weg zur vollen Wiederverwendbarkeit noch war - die Lehren aus den blockierten Sauerstofffiltern und den ausgefallenen SteuerdĂŒsen flossen direkt in Flug 4 ein, der wenige Monate spĂ€ter die erste kontrollierte Wasserung beider Stufen brachte.
Offizielle Missionsseite bei SpaceX ▸