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SN10: Starship landet zum ersten Mal - und zerbirst acht Minuten später

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Starship-Chronik · Starship SN10

SN10: Starship landet zum ersten Mal - und zerbirst acht Minuten später

Der dritte Höhenflug-Test in Boca Chica beweist, dass die Landung funktioniert - der Jubel hält nur kurz

Teilerfolg3. März 2021

Am 3. März 2021 gelingt SpaceX mit dem Starship-Prototypen SN10 zum ersten Mal eine kontrollierte, senkrechte Landung nach einem Höhenflug - nachdem die beiden Vorgänger SN8 und SN9 bei ihren Landeversuchen explodiert waren. Der 50 Meter hohe Prototyp steigt vom Testgelände in Boca Chica, Texas, auf eine Zielhöhe von rund 10 Kilometern auf, kippt in die charakteristische horizontale Bellyflop-Lage und fällt gesteuert über vier Steuerflossen Richtung Boden zurück. Kurz vor dem Aufsetzen zünden alle drei Raptor-Triebwerke erneut, drehen SN10 zurück in die Vertikale, und das Fahrzeug landet auf einem einzigen, gedrosselten Triebwerk. Elon Musk schreibt live: 'Starship SN10 landed in one piece!' ('Starship SN10 ist in einem Stück gelandet!') Doch die Freude hält nur kurz.

Rund acht Minuten nach der Landung reißt eine gewaltige Explosion das Fahrzeug in Stücke. SN10 war beim Aufsetzen hart mit etwa 10 Metern pro Sekunde aufgeschlagen, stand danach sichtbar schief auf dem Landeplatz und hatte sich Landebeine sowie einen Teil der unteren Verkleidung gestaucht. Nach Angaben von Elon Musk lieferte das Landetriebwerk zu wenig Schub, weil teilweise Helium aus dem Treibstoff-Kopftank in die Triebwerksleitung gelangt war. In der Folge tritt Treibstoff aus, am Boden des Fahrzeugs breitet sich ein Feuer aus, das ein automatischer Löschroboter nicht stoppen kann. Musk kommentiert den Verlust lakonisch mit 'RIP SN10, honorable discharge.' ('Ruhe in Frieden, SN10, ehrenhafte Entlassung.')

Der Flug ist der dritte Hochflug-Test der Starship-Serie und der erste, bei dem die komplette Flugsequenz bis zur Landung funktioniert. Am Starttag scheitert zunächst ein erster Versuch: Ein automatischer Abbruch stoppt ihn, weil ein Triebwerk beim Hochfahren zu viel Schub liefert, sodass der Start um rund drei Stunden auf 17:14 Uhr Ortszeit (23:14 UTC) verschoben wird. Vorausgegangen waren zwei Static-Fire-Tests am 23. und 25. Februar 2021, bei denen SpaceX nach dem ersten Test ein Raptor-Triebwerk austauschte.

Ergebnis

SN10 schafft als erster Starship-Prototyp die komplette Flugsequenz inklusive kontrollierter, senkrechter Landung - das zentrale Testziel ist damit erreicht. Acht Minuten später zerstört eine Explosion das Fahrzeug, weil das Landetriebwerk durch teilweise Helium-Einspülung aus dem Treibstoff-Kopftank zu wenig Schub lieferte und die harte Landung Landebeine sowie Verkleidung beschädigte. Der Teilerfolg ebnet zwei Monate später SN15 den Weg zur ersten Landung ganz ohne Explosion.

Die Ziele
  • Kontrollierter Aufstieg auf rund 10 km Höhe mit sequentiellem Abschalten der drei Raptor-Triebwerke
  • Bellyflop-Manöver: horizontaler, gesteuerter Sinkflug über vier Steuerflossen
  • Flip-Manöver zurück in die Vertikale kurz vor dem Boden
  • Erste kontrollierte, senkrechte Landung eines Starship-Prototypen nach den gescheiterten Versuchen von SN8 und SN9
  • Nachweis, dass das grundlegende Lande- und Steuerungskonzept für die Serienproduktion trägt
Der Flugverlauf
  1. 8. Februar 2021: Kryogener Drucktest von SN10 auf dem Testgelände in Boca Chica
  2. 23. Februar 2021: Erster statischer Zündtest; danach Austausch eines Raptor-Triebwerks
  3. 25. Februar 2021: Zweiter, erfolgreicher statischer Zündtest
  4. 3. März 2021, Nachmittag: Erster Startversuch wird automatisch abgebrochen, weil ein Triebwerk beim Hochfahren zu viel Schub liefert
  5. 3. März 2021, 17:14 Uhr Ortszeit / 23:14 UTC, nach rund drei Stunden Verzögerung: Start des zweiten Versuchs
  6. Aufstieg: Die drei Raptor-Triebwerke schalten nacheinander ab, bis SN10 die Zielhöhe von rund 10 km erreicht
  7. Freier Fall: SN10 sinkt in der Bellyflop-Position horizontal, gesteuert von vier Steuerflossen
  8. Kurz vor dem Aufsetzen: Alle drei Triebwerke zünden erneut, drehen das Fahrzeug zurück in die Vertikale; zwei schalten wieder ab
  9. Rund 6 min 20 s nach dem Start: Landung auf einem einzigen, gedrosselten Triebwerk - hartes Aufsetzen mit rund 10 m/s, das Fahrzeug bleibt mit gestauchten Landebeinen leicht schief stehen
  10. Rund 8 Minuten nach der Landung (ca. 14 min 45 s nach dem Start): Explosion zerstört SN10 vollständig
Zahlen und Fakten
Fahrzeughöhe50 m (164 ft)
Zielflughöherund 10 km (32.800 ft)
Triebwerke3x Raptor (Methan/LOX)
Kombinierter Schubüber 4.450 kN (rund 450 t Schub)
Flugzeit bis zur Landungca. 6 min 20 s
Zeit bis zur Explosionca. 8 min nach der Landung
Aufsetzgeschwindigkeitca. 10 m/s
Vorgänger-FehlschlägeSN8 (9.12.2020), SN9 (2.2.2021)
Die Einordnung

SN10 markiert trotz der Explosion den entscheidenden Bruch mit der Fehlerserie von SN8 und SN9: Zum ersten Mal fängt ein Starship-Prototyp den Bellyflop ab, dreht sich zurück in die Vertikale und setzt kontrolliert auf - genau das Manöver, von dem die Wiederverwendbarkeit des gesamten Systems abhängt. Der Rückschlag danach passt zu SpaceX' iterativer Testphilosophie: Laut Elon Musk war die Ursache ein zu geringer Schub durch teilweise Helium-Einspülung aus dem Treibstoff-Kopftank, kein grundsätzlicher Konstruktionsfehler am Landekonzept selbst. Nur zwei Monate später, am 5. Mai 2021, gelingt SN15 erstmals eine Landung ganz ohne anschließende Explosion. Rückblickend gilt SN10 damit als der Prototyp, der den entscheidenden Schritt dorthin gemacht hat.

Quellen
Stand: 30.07.2026, 14:43 Uhr MESZ · Recherche mit Faktencheck, Quellen je Mission · Mars Chroniken Redaktion