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SN5: Der erste Sprung des seriengefertigten Starship-Prototypen

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Starship-Chronik · SN5

SN5: Der erste Sprung des seriengefertigten Starship-Prototypen

Wie SpaceX am 4. August 2020 mit einem einzigen Raptor-Triebwerk und ohne Nasenkegel den ersten echten Starship-Flug schaffte

Erfolg4. August 2020

Am 4. August 2020 verließ mit SN5 zum ersten Mal ein vollskaliger, in Serienbauweise gefertigter Starship-Prototyp kontrolliert den Boden. Der Hop fĂŒhrte das Fahrzeug rund 150 Meter (492 Fuß) in die Höhe, seitlich hinĂŒber zu einer benachbarten LandeflĂ€che in Boca Chica, Texas, und nach etwa 45 Sekunden Flugzeit wieder sicher und aufrecht zu Boden. Angetrieben wurde SN5 von einem einzigen Raptor-Triebwerk mit der Seriennummer SN27. Es war der erste echte Flug des Starship-Programms mit einem Fahrzeug, das strukturell dem finalen Design glich, nachdem der VorgĂ€nger Starhopper 2019 nur ein grobes Test-Rig gewesen war.

Der Weg dorthin war holprig. Ein erster Startversuch am 3. August wurde noch vor der ZĂŒndung automatisch abgebrochen, weil ein Spin-Start-Ventil an der Turbopumpe von Raptor SN27 nicht öffnete - dasselbe Ventilproblem hatte bereits einen Static-Fire-Versuch Ende Juli gestoppt. Ein zweiter Versuch am 4. August wurde aus demselben Grund erneut abgebrochen, rund 90 Sekunden vor der geplanten ZĂŒndung. Erst der dritte Anlauf am Abend des 4. August lief glatt durch. Zuvor hatte SN5 am 1. Juli den kryogenen Drucktest bestanden und am 30. Juli einen erfolgreichen statischen ZĂŒndtest absolviert.

Optisch erinnerte SN5 kaum an ein Raumschiff: Ohne Nasenkegel und Aerodynamik-Flossen bestand die sichtbare Struktur im Wesentlichen aus dem Treibstofftank-Abschnitt, oben abgeschlossen durch einen Massesimulator anstelle einer echten Spitze - Beobachter verglichen die Silhouette mit einem fliegenden Wasserturm. Genau das war der Punkt des Tests: SpaceX wollte nicht Aerodynamik prĂŒfen, sondern zeigen, dass Flugsteuerung, Landebeine und Struktur des serienmĂ€ĂŸig gefertigten Tanksegments unter echten Startlasten funktionieren. Diese schlichte, fast plump wirkende Form war bewusst gewĂ€hlt, um Flugverhalten frĂŒh in echter AtmosphĂ€re zu testen statt jahrelang am Reißbrett zu optimieren.

Nach der geglĂŒckten Landung kĂŒndigte SpaceX-Chef Elon Musk weitere kurze SprĂŒnge an, bevor Starship mit ausklappbaren Body-Flaps auf grĂ¶ĂŸere Höhen steigen sollte. Bereits am 3. September 2020 wiederholte der Schwesterprototyp SN6 einen nahezu identischen 150-Meter-Hop, ehe im Dezember 2020 mit SN8 der erste Hochflug mit Bauchklatscher-Manöver folgte. Der geglĂŒckte Hop bestĂ€tigte damit nicht nur das Triebwerk, sondern auch SpaceX' iterative Entwicklungsphilosophie: schnell bauen, fliegen, aus FehlschlĂ€gen lernen, wiederholen.

Ergebnis

Vollerfolg: SN5 erreichte die angepeilten 150 Meter Höhe und landete nach rund 45 Sekunden sicher und aufrecht auf der Nachbar-LandeflÀche. Beide Testziele - kontrollierter Erstflug des seriell gefertigten Prototypen und Validierung von Raptor SN27 im Flug - wurden erreicht, nachdem zuvor zwei Startversuche (am 3. August und am 4. August selbst) wegen eines nicht öffnenden Spin-Start-Ventils automatisch abgebrochen worden waren.

Die Ziele
  • Ersten kontrollierten Flug eines vollskaligen, seriell gefertigten Starship-Tanksegments schaffen (nicht mehr nur mit dem Test-Rig Starhopper)
  • Nachweisen, dass ein einzelnes Raptor-Triebwerk Start, Steigflug und Landebremsung zuverlĂ€ssig steuern kann
  • Flugsteuerung (Guidance, Navigation, Control), Landebeine und Strukturfestigkeit unter realen Fluglasten testen
  • Bodeninfrastruktur in Boca Chica (Startgestell, Betankung, automatische Abbruchlogik) fĂŒr die kommende Flugkampagne erproben
  • Grundlage fĂŒr weitere kurze HĂŒpfer und spĂ€tere HochflĂŒge mit Body-Flaps (SN8 ff.) legen
Der Flugverlauf
  1. 1. Juli 2020: SN5 besteht in Boca Chica den kryogenen Drucktest (Cryo-Proof) des Tanks
  2. 28. Juli 2020: Ein Static-Fire-Versuch mit Raptor SN27 wird abgebrochen, weil ein Spin-Start-Ventil der Turbopumpe nicht öffnet
  3. 30. Juli 2020: Ein statischer ZĂŒndtest gelingt
  4. 3. August 2020: Der erste Hop-Versuch wird Sekundenbruchteile vor der ZĂŒndung automatisch abgebrochen - dieselbe Ventilstörung wie beim Static-Fire-Test
  5. 4. August 2020, im Tagesverlauf: Ein zweiter Versuch wird rund 90 Sekunden vor der geplanten ZĂŒndung erneut wegen des Spin-Start-Ventils abgebrochen
  6. 4. August 2020, gegen 18:57 Uhr Ortszeit CDT (01:57 Uhr MESZ in der Nacht auf den 5. August): Dritter Anlauf, SN5 hebt vom Startgestell ab
  7. SN5 steigt kontrolliert auf rund 150 Meter Höhe und schwenkt seitlich zur benachbarten LandeflÀche
  8. Nach rund 45 Sekunden Flugzeit setzt SN5 sanft und aufrecht auf dem Landeplatz auf
  9. In den Tagen danach kĂŒndigt Elon Musk weitere kurze HĂŒpfer an, gefolgt von HochflĂŒgen mit Body-Flaps
  10. 3. September 2020: Der Schwesterprototyp SN6 wiederholt einen nahezu identischen 150-Meter-Hop
Zahlen und Fakten
Datum4. August 2020
Zielhöhe150 m (492 ft)
Flugdauerca. 45 Sekunden
Triebwerk1x Raptor, Seriennummer SN27
Kryo-Drucktest bestanden1. Juli 2020
Statischer ZĂŒndtest30. Juli 2020
Abgebrochene Startversuche2x, 3. und 4. August 2020 (je Ventilstörung)
Nachfolgehop (SN6)3. September 2020, ebenfalls 150 m
Die Einordnung

SN5 markiert den Übergang von SpaceX' grobem Test-Rig Starhopper zum eigentlichen Starship-Entwicklungsprogramm: Zum ersten Mal flog ein Fahrzeug, das strukturell der finalen Serienbauweise entsprach, inklusive der fĂŒr spĂ€tere Prototypen typischen Stahlringe, Landebeine und Raptor-Integration. Der Erfolg bestĂ€tigte SpaceX' iterative Entwicklungsphilosophie (schnell bauen, testen, aus FehlschlĂ€gen lernen) und öffnete die TĂŒr fĂŒr die gesamte folgende Testkampagne: SN6 wiederholte den Hop im September, SN8 wagte im Dezember 2020 den ersten Hochflug mit Body-Flaps, und ĂŒber SN10 und SN15 fĂŒhrte die direkte Linie schließlich zu den orbitalen Integrated Flight Tests (IFT-1 ff.) ab 2023, die Mars Chroniken bis heute ausfĂŒhrlich begleitet.

Quellen
Stand: 30.07.2026, 14:42 Uhr MESZ · Recherche mit Faktencheck, Quellen je Mission · Mars Chroniken Redaktion