Bemannte Raumfahrt
NASA-Astronaut Anil Menon startet mit Sojus MS-29 zur ISS
Mit Pjotr Dubrow und Anna Kikina erreicht der ehemalige SpaceX-Flugarzt die Internationale Raumstation, begleitet vom ersten Baikonur-Besuch eines NASA-Chefs seit acht Jahren.
Die russische Sojus-Kapsel MS-29 hat am 14. Juli 2026 erfolgreich an der Internationalen Raumstation (ISS) angedockt. An Bord: der NASA-Astronaut Anil Menon sowie die russischen Kosmonauten Pjotr Dubrow und Anna Kikina. Die Trägerrakete vom Typ Sojus-2.1a startete um 19:47 Uhr Ortszeit (16:47 Uhr MESZ) vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan. Nach nur zwei Erdumkreisungen und rund drei Stunden Flugzeit koppelte das Raumschiff automatisch am Modul Prichal an, eine der kürzesten derzeit geflogenen Anflugrouten zur Station.
Für Dubrow, den Kommandanten der Kapsel, und für Bordingenieurin Kikina ist es bereits der zweite Aufenthalt auf der ISS. Für Menon, ebenfalls Bordingenieur, ist es der erste Flug ins All überhaupt. Das Trio soll rund acht Monate, planmäßig 261 Tage, an Bord bleiben und im April 2027 zur Erde zurückkehren. Es verstärkt zunächst die laufende Expedition 74; nach der Rückkehr der bisherigen Sojus-MS-28-Besatzung übernimmt turnusgemäß Expedition 75 die Station.
Der Besatzungswechsel schloss sich zwölf Tage später an: Am 26. Juli 2026 landete die Sojus MS-28 mit dem NASA-Astronauten Chris Williams sowie den Kosmonauten Sergej Kud-Swertschkow und Sergej Mikajew. Nach 241 Tagen im All hatte das Trio die Erde 3.856-mal umkreist und dabei mehr als 164 Millionen Kilometer zurückgelegt.
Menon bringt eine ungewöhnliche Vorgeschichte mit: Der in Minneapolis aufgewachsene Notfallmediziner arbeitete zunächst als Flugarzt für die NASA, bevor er 2018 als erster Flight Surgeon zu SpaceX wechselte. Dort betreute er unter anderem den Start der Demo-2-Mission, des ersten bemannten Fluges eines privaten US-Raumschiffs; laut NASA war er insgesamt bei fünf Starts leitender Flugarzt, darunter Demo-2, und arbeitete am medizinischen Konzept für das Starship-Programm mit. 2021 wurde er in die NASA-Astronautenklasse aufgenommen, im Januar 2022 trat er offiziell seinen Dienst als Astronaut an.
Kikina wiederum ist derzeit die einzige aktive Kosmonautin im russischen Corps. Bekannt wurde sie 2022, als sie im Rahmen des sogenannten Sitzplatztauschs zwischen NASA und Roskosmos als erste Russin an Bord eines US-Raumschiffs flog, der SpaceX-Kapsel Crew-5. Für ihren rund 157 Tage langen ersten ISS-Aufenthalt erhielt sie 2024 die russische Auszeichnung 'Held der Russischen Föderation'.
Politisch bemerkenswert war die Anwesenheit von NASA-Chef Jared Isaacman beim Start: Der seit Dezember 2025 vom US-Senat bestätigte 15. NASA-Administrator reiste eigens nach Baikonur, um dem Start persönlich beizuwohnen. Es war der erste Besuch eines amtierenden NASA-Administrators auf dem Kosmodrom seit Jim Bridenstine im Oktober 2018.
Isaacman traf dabei erstmals persönlich mit Roskosmos-Generaldirektor Dmitri Bakanow zusammen. Nach Angaben Bakanows gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS einigten sich beide Seiten grundsätzlich darauf, den gemeinsamen Betrieb der ISS bis 2030 fortzusetzen und den Sitzplatztausch zwischen amerikanischen und russischen Missionen beizubehalten - eine formale rechtliche Verlängerung der bestehenden Vereinbarung steht laut Bakanow noch aus. Das grundsätzliche Einvernehmen ist dennoch ein Signal, dass die Raumfahrtkooperation trotz angespannter politischer Beziehungen zwischen den USA und Russland auf hoher Ebene aktiv gepflegt wird. Isaacmans persönliches Interesse an diesem Start hat zudem einen privaten Hintergrund: Menon ist mit der SpaceX-Astronautin Anna Menon verheiratet, die 2024 als Missionsspezialistin an Isaacmans privater Polaris-Dawn-Mission teilnahm.
Nebenbei sorgte die Trägerrakete selbst für Aufsehen: Roskosmos hatte sie mit Werbung für ein russisches Energy-Getränk sowie eine Limonadenmarke beklebt, dazu kamen Zeichnungen krebskranker Kinder für eine Wohltätigkeitsaktion. Möglich macht das ein neues russisches Gesetz, das Werbung auf staatseigenen Raumfahrzeugen erlaubt, um private Sponsorengelder zu erschließen, eine Praxis, die in der russischen Raumfahrt historisch nicht neu ist.
- Sojus MS-29 mit Anil Menon, Pjotr Dubrow und Anna Kikina dockte am 14. Juli 2026 erfolgreich an der ISS an
- Menon war zuvor SpaceX' erster Flugarzt, Kikina ist die einzige aktive russische Kosmonautin
- NASA-Chef Jared Isaacman besuchte Baikonur, erstmals seit 2018 wieder ein NASA-Administrator vor Ort
- Isaacman und Roskosmos-Chef Bakanow einigten sich laut Bakanow grundsätzlich auf eine Fortsetzung der ISS-Kooperation bis 2030 - eine formale Verlängerung steht noch aus
- Rückkehr der Crew planmäßig im April 2027 nach rund acht Monaten
- NASA - Soyuz Spacecraft Launches New Crew for Station Arrival TodayPrimärquelle
- NASA - NASA Sets Coverage for Astronaut Anil Menon Launch to Space StationPrimärquelle
- NASA - New Trio Enters Station and Joins Expedition 74 CrewPrimärquelle
- NASA - Expedition 74 Trio Returns to Earth Inside SoyuzPrimärquelle
- NASA - Astronautenbiografie Anil MenonPrimärquelle
- Wikipedia - Soyuz MS-29
- Wikipedia - Anna Kikina
- SpacePolicyOnline - New Russian-American Crew Arrives at ISS
- Spaceflight Now - Senate confirms Jared Isaacman as 15th NASA Administrator
- Space.com - Astronauts just launched on a Soyuz rocket with an energy-drink ad on it, continuing a Russian tradition
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