Mars Chroniken
Der Mars
Der vierte Planet der Sonne ist der erdĂ€hnlichste Ort, den wir kennen, und zugleich der begehrteste. Zwischen rostroten WĂŒsten, dem höchsten Vulkan des Sonnensystems und Spuren von einst flieĂendem Wasser zeigt sich eine Welt, die Staaten wie private Unternehmen gleichermaĂen in ihren Bann zieht.
Kein anderer Planet beschĂ€ftigt die menschliche Vorstellungskraft so beharrlich wie der Mars. Seine charakteristische rote FĂ€rbung, seine geologische Vielfalt und die Möglichkeit, dass hier einst Leben existiert haben könnte, faszinieren Fachleute und Laien seit Jahrhunderten. Heute ist der Rote Planet zum Objekt der Begierde geworden, umworben von zahlreichen Staaten und privaten Unternehmen zugleich. Der folgende Ăberblick fĂŒhrt durch seine Eigenschaften, seine Entstehung, seine AtmosphĂ€re und das vielleicht spannendste Kapitel ĂŒberhaupt: das Wasser.
Warum ausgerechnet der Mars?
Von allen Planeten unseres Sonnensystems gleicht keiner der Erde so sehr wie der Mars. Ein Marstag dauert knapp 24,6 Stunden und liegt damit erstaunlich nah an unseren eigenen 24. Der Planet kennt Jahreszeiten, und seine OberflĂ€che trĂ€gt die Spuren von Wasser, das hier einmal geflossen ist. Seine dĂŒnne AtmosphĂ€re besteht ĂŒberwiegend aus Kohlendioxid und ist lebensfeindlich, fĂŒr die Wissenschaft aber gerade deshalb hochinteressant. Hinzu kommt eine Vermutung mit groĂer Tragweite: Unter der MarsoberflĂ€che könnte noch heute Wasser lagern, ein möglicher SchlĂŒssel fĂŒr kĂŒnftiges Leben oder zumindest fĂŒr die Versorgung von Astronauten.
Ein Steckbrief in Zahlen
Der Mars ist der vierte Planet von der Sonne, hinter Merkur, Venus und Erde. Mit einem Durchmesser von etwa 6.779 Kilometern ist er ungefĂ€hr halb so groĂ wie unser Heimatplanet, und mit rund 0,107 Erdmassen deutlich leichter. FĂŒr eine einzige Runde um die Sonne braucht er etwa 687 Erdentage. Seinen Namen und seine unverwechselbare Farbe verdankt er dem rötlichen Eisenoxid, dem Rost, der weite Teile seiner OberflĂ€che ĂŒberzieht.
- Position: vierter Planet von der Sonne
- Durchmesser: etwa 6.779 km, rund halb so groĂ wie die Erde
- Masse: ca. 0,107 Erdmassen
- Umlaufzeit: etwa 687 Erdentage
- TageslÀnge: knapp 24,6 Stunden
- OberflĂ€chentemperatur: im Mittel etwa -60 °C, im Sommer am Ăquator bis zu +20 °C, nachts bis -125 °C
Ein Detail verdient besondere Beachtung. Der Mars ist der am wenigsten dichte der vier Gesteinsplaneten. Seine mittlere Dichte liegt bei rund 3,93 g/cmÂł. Zum Vergleich: Merkur bringt es auf 5,43 g/cmÂł, Venus auf 5,24 g/cmÂł und die Erde auf 5,51 g/cmÂł. Der Rote Planet ist also nicht nur kleiner, sondern auch aus vergleichsweise leichtem Material aufgebaut.
Entstehung und geologische Entwicklung
Der Mars entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren, ungefĂ€hr zur selben Zeit wie die Erde. Sein Werden folgte dem gleichen Muster wie das der ĂŒbrigen Gesteinsplaneten: aus einer rotierenden Scheibe aus Gas und Staub, die sich um die junge Sonne bildete.
In seinen ersten Jahrmilliarden war der Mars wahrscheinlich weit heiĂer und von einer dichteren AtmosphĂ€re umhĂŒllt als heute. Vieles spricht dafĂŒr, dass flĂŒssiges Wasser ĂŒber seine OberflĂ€che floss, in FlĂŒssen, Seen und sogar kleinen Meeren. Doch der Planet kĂŒhlte mit der Zeit ab. Seine AtmosphĂ€re wurde dĂŒnner, das Wasser verdampfte oder gefror, und zurĂŒck blieb die kalte WĂŒstenwelt, die wir kennen.
Von der bewegten Vergangenheit zeugt bis heute eine dramatische Landschaft. Der Mars trĂ€gt einige der gröĂten Vulkane des gesamten Sonnensystems, allen voran den Olympus Mons, der etwa 22 Kilometer aufragt und damit fast dreimal so hoch ist wie der Mount Everest. Daneben prĂ€gen riesige Krater, ausgetrocknete Flussbetten, weite TĂ€ler und Lavaebenen die OberflĂ€che und erzĂ€hlen von einer geologisch höchst aktiven FrĂŒhzeit.
Eine hauchdĂŒnne AtmosphĂ€re
Im Vergleich zur Erde ist die LufthĂŒlle des Mars kaum mehr als ein zarter Schleier. Sie besteht zu rund 95 Prozent aus Kohlendioxid, dazu kommen geringe Anteile an Stickstoff und Argon sowie Spuren weiterer Gase. Der atmosphĂ€rische Druck betrĂ€gt nur etwa 0,6 Prozent des Erddrucks auf Meereshöhe.
Diese DĂŒnne hat spĂŒrbare Folgen. Die Temperaturen schwanken enorm, und die OberflĂ€che ist weitgehend schutzlos der Sonnen- und der kosmischen Strahlung ausgesetzt. Was die AtmosphĂ€re nicht abfangen kann, trifft den Boden nahezu ungebremst.
Wasser auf dem Mars
Es gibt Hinweise darauf, dass auf dem Mars Wasser existiert, und zwar in ganz unterschiedlichen Formen. Es ist eine der spannendsten Entdeckungen der modernen Marsforschung.
Eis an den Polen
Der Mars besitzt groĂe Eiskappen an seinen Polen, die vor allem aus gefrorenem Wasser und Kohlendioxid, also Trockeneis, bestehen. Besonders die SĂŒdpolkappe enthĂ€lt viel Wasser-Eis, dessen Ausdehnung sich mit den Jahreszeiten verĂ€ndert.
Eis unter der OberflÀche
Mit Hilfe von Satelliten und Rovern haben Forscher Hinweise auf unterirdische Wasservorkommen gefunden. Vieles deutet darauf hin, dass in der Tiefe groĂe Mengen gefrorenen Wassers lagern, vor allem an den Polen und in den mittleren Breiten.
Spuren flĂŒssigen Wassers
In den vergangenen Jahren sind Belege fĂŒr salzhaltige, flĂŒssige Wasserquellen hinzugekommen. Solche als Brinen bezeichneten Salzwasservorkommen könnten in der Vergangenheit existiert haben oder in kleinen Mengen sogar heute noch vorhanden sein. Salzhaltiges Wasser gefriert schwerer und kann selbst bei den heutigen Temperaturen flĂŒssig bleiben.
Alte Flussbetten und Seen
Ăber die gesamte OberflĂ€che verteilt finden sich geologische Formationen, die auf einst flieĂendes Wasser hindeuten: Flussbetten, deltaartige Strukturen und ausgetrocknete Seen. Sie zeichnen das Bild eines Mars, der einmal eine deutlich feuchtere Welt war.
AktivitÀt in der Gegenwart
Manche Satellitendaten legen nahe, dass noch immer kleine Mengen flĂŒssigen Wassers vorkommen, sichtbar als salzhaltige Schlieren auf den Steinen, die sich mit den Jahreszeiten verĂ€ndern. Diese sogenannten Salzflecken wurden an Steinen in den polaren Regionen beobachtet.
Warum das Wasser so wichtig ist
Wasser ist eine der entscheidenden Voraussetzungen fĂŒr Leben, wie wir es kennen. Seine Anwesenheit auf dem Mars erhöht die Chance, dass hier in der Vergangenheit oder womöglich sogar heute Leben existiert haben könnte. Zugleich ist es fĂŒr kĂŒnftige bemannte Missionen von groĂer Bedeutung, weil es die Versorgung der Menschen vor Ort sichern könnte. Genau hier verbinden sich die beiden groĂen Fragen, die den Roten Planeten so anziehend machen: die nach dem Leben und die nach unserer eigenen Zukunft im All.