Mars Chroniken
Stoke Space
Ein Tank, der scheinbar ohne Triebwerk durch die Luft schwebt, und dahinter eine Firma, die das Raketentriebwerk neu denkt. Stoke Space will den Weltraum fĂŒr alle öffnen und hat dafĂŒr bereits mĂ€chtige VerbĂŒndete gewonnen.
Auf den ersten Bildern wirkt es wie eine optische TĂ€uschung. Ein Tank hĂ€ngt in der Luft, ohne dass ein Triebwerk zu erkennen wĂ€re. Kein Flammenstrahl, keine DĂŒse, nur ein GefĂ€hrt, das ruhig ĂŒber dem Boden schwebt. Und obwohl das Bild an die SprĂŒnge der SpaceX-Prototypen erinnert, hat es mit SpaceX nichts zu tun. Es stammt von Stoke Space, einem Startup, das beim HerzstĂŒck jeder Rakete einen völlig neuen Weg geht.
Wie so viele junge Firmen der Raumfahrt hat sich auch Stoke Space die vollstĂ€ndige Wiederverwendbarkeit auf die Fahnen geschrieben. Anders als die meisten Konkurrenten musste das Unternehmen dabei nie um Aufmerksamkeit ringen. Es sammelte frĂŒh zahlreiche und finanzkrĂ€ftige UnterstĂŒtzer ein und konnte schon erste Hardware bauen. Auf dem Teststand feuerte schon 2023 ein Prototyp mit 15 Brennkammern, teils zweimal am Tag; den vollstĂ€ndigen Ring aus 30 Brennkammern zĂŒndete Stoke Space erstmals im Februar 2024. Seit Anfang Juni 2026 gilt die erste Stufe nach 46 strukturellen Verifikationstests als proto-qualifiziert. Zu den Investoren zĂ€hlt Bill Gates ĂŒber Breakthrough Energy Ventures. US Space Force und NASA sind dagegen keine Anteilseigner, sondern Auftrag- und Fördermittelgeber. Seine Rakete trĂ€gt den Namen Nova, und sie verspricht nichts Geringeres, als den Weltraum fĂŒr alle zu öffnen.
Wer ist Stoke Space?
GegrĂŒndet wurde Stoke Space 2020 von Andy Lapsa und Tom Feldman, zwei ehemaligen Ingenieuren von Blue Origin. Aus dieser Erfahrung heraus formten sie rasch ein Team von zunĂ€chst ĂŒber 100 Ingenieuren, das seither deutlich gewachsen ist, und machten aus dem Startup ein schlagkrĂ€ftiges Kraftpaket. Der Anspruch ist unbescheiden. Stoke Space will den GroĂen der Branche wie SpaceX und Blue Origin echte Konkurrenz machen und die Raumfahrt insgesamt effizienter gestalten.
Was Stoke Space besonders macht
Auf Wiederverwendbarkeit setzen inzwischen viele. Stoke Space treibt den Gedanken jedoch weiter. Nicht nur die erste Stufe soll zurĂŒckkehren und erneut fliegen, sondern jede Komponente der Nova-Rakete. Das Ziel ist ehrgeizig kalkuliert. Die Startkosten sollen langfristig unter eine Million US-Dollar sinken. Zum Vergleich: Ein Flug der Falcon 9 kostet nach der Preisliste von SpaceX rund 70 Millionen US-Dollar, das angepeilte Ziel liegt also bei ungefĂ€hr einem Siebzigstel davon. Gelingt das, verschiebt sich die Frage, wer sich einen Raketenstart ĂŒberhaupt leisten kann.
Die Finanzierung
Kapital ist dabei kein Engpass. In der kurzen Zeit seit der GrĂŒndung hat Stoke Space bis 2026 weit ĂŒber 1,3 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Allein die Serie C brachte im Januar 2025 260 Millionen US-Dollar, die Serie D im Oktober 2025 weitere 510 Millionen US-Dollar. Diese wurde im Februar 2026 auf insgesamt 860 Millionen US-Dollar aufgestockt. In Summe ergibt das eine Gesamtfinanzierung von rund 1,34 Milliarden US-Dollar.
Hinter diesen Zahlen stehen prominente Geldgeber. Neben privaten Investoren wie Bill Gates flieĂt Geld von US Space Force und NASA, allerdings als AuftrĂ€ge und Fördermittel und nicht als Unternehmensbeteiligung. Klug eingesetzt kann dieses Kapital der Startschuss in eine neue Ăra sein. Ausreichen wird es mit Sicherheit noch nicht, denn der Weg zur einsatzbereiten Rakete ist teuer und lang.
Die Nova, ein Meisterwerk der Wiederverwendbarkeit
Die Nova soll eine Art Weltraumbus werden. Starten, landen, wieder starten, und das im Takt. Mit rund 40 Metern Höhe und einem Durchmesser von etwa 4 Metern fĂ€llt sie deutlich kleiner aus als das Starship von SpaceX. Auch die Neutron von Rocket Lab ĂŒberragt sie, die mit rund 43 Metern Höhe und 7 Metern Durchmesser spĂŒrbar gröĂer ist. Die Nova ist damit bewusst fĂŒr mittlere Nutzlasten ausgelegt, nicht fĂŒr die ganz schweren Frachten.
Angetrieben wird sie von Methan-Sauerstoff-Triebwerken mit dem Namen Zenith. Das eigentlich Faszinierende ist jedoch die zweite Stufe, denn hier verlĂ€sst Stoke Space die ausgetretenen Pfade. Sie erinnert an die klassische Kapselform, ist aber konischer und stĂ€rker in die LĂ€nge gezogen. An ihrer Basis sitzt ein Ring aus 30 kleinen Wasserstofftriebwerken. Diese liefern nicht nur Schub, sie ĂŒbernehmen auch die Steuerung und bilden zugleich einen Teil des Hitzeschildes fĂŒr den Wiedereintritt. Möglich wird das durch eine besondere, selbstregulierende KĂŒhlung, die die Struktur durchzieht. Und die Oberstufe kann mehr als nur Lasten ins All bringen. Sie soll Fracht auch wieder aus dem Orbit zur Erde zurĂŒckholen.
Die Vision "Raumfahrt fĂŒr alle"
Am Ende steht ein einfaches Bild. Raketen, die Ă€hnlich wie Flugzeuge in kurzen AbstĂ€nden starten, ihre Aufgabe erledigen, landen und kurz darauf erneut abheben. Damit das Wirklichkeit wird, braucht es eine zuverlĂ€ssige Nova und die passende Startinfrastruktur gleich dazu. Der Lohn dieser MĂŒhe wĂ€re allerdings betrĂ€chtlich. Der Weltraum stĂŒnde nicht mehr nur Staaten und GroĂkonzernen offen, sondern auch Startups, UniversitĂ€ten und sogar Privatleuten.
Ob Stoke Space die groĂen Herausforderungen meistert, ist noch offen. Wir drĂŒcken der Firma fest die Daumen, verfolgen ihren Weg weiter und halten Dich hier laufend auf dem Stand der Dinge.