Startinfrastruktur
112,5 Millionen Dollar: Isar Aerospace baut eigenen Startkomplex in Kanada
Das Münchner Raumfahrt-Start-up sichert sich einen Zehnjahresvertrag am Spaceport Nova Scotia, noch bevor seine Spectrum-Rakete auch nur einmal die Umlaufbahn erreicht hat.
Isar Aerospace hat mit dem kanadischen Startplatzbetreiber Maritime Launch Services einen Vertrag über einen eigenen Startkomplex am Spaceport Nova Scotia unterzeichnet, nahe der Ortschaft Canso an Kanadas Atlantikküste. Die Vereinbarung wurde am 7. Juli 2026 in Ankara am Rande eines Verteidigungsindustrie-Forums im Umfeld des NATO-Gipfels (Nordatlantisches Verteidigungsbündnis) unterschrieben und umfasst feste Zahlungen von 112,5 Millionen US-Dollar über zehn Jahre, zuzüglich separater Gebühren pro Start.
Der Vertrag läuft über zehn Jahre mit zwei optionalen Verlängerungen um jeweils fünf Jahre. Isar zahlt vierteljährlich 3,75 Millionen US-Dollar an Maritime Launch Services, ist davon aber 30 Monate lang befreit, beginnend nach Ablauf des ersten Vertragsjahres. Rechnerisch ergeben sich daraus 30 zahlungspflichtige Quartale, was die genannten 112,5 Millionen US-Dollar ergibt. Hinzu kommen Zusatzgebühren für bestimmte Leistungen pro Start auf Kostenplus-Basis. Für das kanadische Geschäft gründet Isar eine eigene Tochtergesellschaft, die Isar Aerospace Canada Inc.
Maritime Launch Services stellt im Gegenzug die lizenzierte Startplattform, Einrichtungen für Montage, Integration und Test, ein Kontrollzentrum für den Startbetrieb sowie eine Anlage zur Nutzlastintegration bereit. Der Zeitplan ist eng gesteckt: Der Baubeginn ist noch für 2026 vorgesehen, die Übergabe der Startplattform für den 1. November 2026, die restliche Infrastruktur soll bis zum 31. Dezember 2027 fertiggestellt sein. Erste orbitale Starts sind für 2028 geplant, ab 2029 soll der Standort auf bis zu 40 Starts jährlich hochgefahren werden.
Isar Aerospace und Maritime Launch Services hatten bereits im Mai 2026 eine Absichtserklärung unterzeichnet, der nun der verbindliche Vertrag folgte. Als strategische Vorteile des Standorts nennt Isar sichere Flugbahnen über dem offenen Atlantik sowie den Zugang zu mittleren bis hohen Bahnneigungen und polaren Umlaufbahnen, relevant für Erdbeobachtungs-, Kommunikations- und auch verteidigungsnahe Missionen. Isar-Vizepräsident Alexandre Dalloneau betonte, kaum eine Nation verfüge heute über die durchgängige Fähigkeit, unabhängig ins All zu starten. Maritime-Launch-Chef Stephen Matier bezeichnete die Vereinbarung als wichtigen Meilenstein beim Aufbau einer eigenständigen kanadischen Startfähigkeit.
Bemerkenswert an der Vereinbarung ist ihr Zeitpunkt: Isars Spectrum-Rakete hat bislang noch keinen einzigen Orbitalflug abgeschlossen. Der Erstflug am 30. März 2025 vom norwegischen Andøya Spaceport endete nach rund 30 Sekunden, als das Fahrzeug ins Trudeln geriet, das Flugabbruchsystem ausgelöst wurde und die Rakete brennend ins Meer stürzte. CEO Daniel Metzler wertete den Flug dennoch als Erfolg: "Our first test flight met all our expectations and was a great success. We had a clean takeoff, 30 seconds of flight, and we were also able to validate our Flight Termination System." Der zweite Qualifikationsflug mit dem Namen "Onward and Upward", der fünf Kleinsatelliten und ein Experiment für das ESA-Programm Boost! in eine sonnensynchrone Umlaufbahn bringen soll, wurde seit Jahresbeginn mehrfach verschoben: zunächst wegen eines defekten Druckventils im Januar, dann wegen Wetter, Sicherheitsbedenken und erhöhter Treibstofftemperaturen im März, wegen eines vermuteten Lecks an einem Drucktank im April und schließlich am 15. Juni 2026 wegen Auffälligkeiten im Treibstoffsystem - das ist der bislang letzte offiziell dokumentierte Stand. Seither hat Isar Aerospace keinen neuen Starttermin bestätigt; Start-Tracking-Seiten wie spacelaunchschedule.com führen Ende Juli und Anfang August 2026 lediglich als vorläufige, nicht offiziell bestätigte Zieltermine.
Isar Aerospace bindet sich damit für einen dreistelligen Millionenbetrag an einen zweiten Startplatz, bevor die eigene Rakete ihre grundlegende Flugtauglichkeit unter Beweis gestellt hat. Das zeigt einerseits das Vertrauen des Unternehmens und seiner Investoren in das Programm, macht aber auch deutlich, wie ambitioniert der Zeitplan von bis zu 40 Starts jährlich ab 2029 angesichts der bisherigen Verzögerungen ist.
- 112,5 Millionen US-Dollar Festbetrag über 10 Jahre (30 zahlungspflichtige Quartale à 3,75 Mio. USD) plus separate Startgebühren für bestimmte Leistungen
- Startkomplex am Spaceport Nova Scotia bei Canso: Baubeginn 2026, Plattform-Übergabe November 2026, erste orbitale Starts 2028
- Ab 2029 sollen bis zu 40 Starts jährlich vom kanadischen Standort aus stattfinden
- Isars Spectrum-Rakete hat noch keinen Orbit erreicht: Erstflug März 2025 scheiterte nach 30 Sekunden, zweiter Qualifikationsflug seit Jahresbeginn mehrfach verschoben - seit dem Scrub vom 15. Juni 2026 ohne offiziell bestätigten neuen Starttermin
- Vertrag unterzeichnet am 7. Juli 2026 in Ankara am Rande eines NATO-Verteidigungsindustrie-Forums
- Isar Aerospace: Sovereign space access for Germany and Canada (Pressemitteilung)Primärquelle
- aerotime.aero: Isar Aerospace signs deal to launch orbital rockets from Canada's Atlantic coast
- Euronews: Isar Aerospace completes test flight in first orbital rocket launch from mainland Europe
- SatNews: Isar Aerospace Schedules Second Spectrum Test Flight from Andøya Spaceport
- notebookcheck.de: Deutsche Spectrum-Rakete soll in den nächsten Tagen vom Andøya Space Center starten
- spacelaunchschedule.com: Start-Tracking für den zweiten Spectrum-Qualifikationsflug (Status TBD)
Wie diese Meldung entstanden ist: Recherchiert und geschrieben mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben genannten Quellen, anschließend automatisiert gegen die Originalquellen geprüft und überarbeitet. Redaktionell verantwortlich: Sirwan Aminy.