Raketentests
NASA öffnet Saturn-V-Prüfstand für Blue-Origin-Rakete New Glenn
Ab Herbst 2026 testet Blue Origin die zweite Stufe seiner New-Glenn-Rakete an der Anlage, an der einst die Saturn-V-Stufen für die Apollo-Mondlandungen und zuletzt die SLS-Kernstufe für die Artemis-I-Mission geprüft wurden - ein weiterer Baustein für das Artemis-Programm.
NASA und das Raumfahrtunternehmen Blue Origin haben im Juli 2026 eine Zusatzvereinbarung unterzeichnet, nach der die zweite Stufe der New-Glenn-Rakete am B-2-Prüfstand des NASA-Testgeländes Stennis Space Center im US-Bundesstaat Mississippi mit Heißgastests geprüft wird. Die Tests sollen im Herbst 2026 beginnen. NASA erklärte, die Vereinbarung solle das Artemis-Programm der Behörde voranbringen, mit dem amerikanische Astronauten wieder auf dem Mond landen und eine dauerhafte Basis am Südpol des Mondes errichtet werden sollen.
Der B-1/B-2-Prüfstand ist keine gewöhnliche Anlage: Die in den 1960er-Jahren gebaute, doppelte Teststruktur diente ursprünglich dazu, die fünf F-1-Triebwerke der ersten Stufe der Saturn-V-Mondrakete gleichzeitig zu zünden. Zwischen 1967 und 1970 wurden dort die Erststufen der Saturn-V-Raketen für das Apollo-Programm getestet, darunter jene, die die Besatzungen zum Mond brachten. 1985 wurde die Anlage zum National Historic Landmark erklärt. Zuletzt diente der Prüfstand vor dem Erstflug der Artemis-I-Mission auch für den sogenannten Green-Run-Test der Kernstufe der NASA-Rakete Space Launch System (SLS). Nun kommt mit New Glenn erstmals die Oberstufe eines kommerziellen Trägers hinzu.
Die zweite Stufe von New Glenn wird von zwei Triebwerken des Typs BE-3 angetrieben, die mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff arbeiten. Jedes Triebwerk erzeugt im Vakuum laut NASA einen Schub von 200.000 Pfund, umgerechnet rund 890 Kilonewton beziehungsweise etwa 91 Tonnen Schubkraft - zusammen kommen die beiden Triebwerke auf rund 1.780 Kilonewton. NASA stellt für die Umrüstung des B-2-Prüfstands Ingenieure, Ausrüstung und Gebäudeservices sowie Erfahrungswerte aus früheren Testkampagnen an der Anlage bereit. Blue Origin hatte bereits 2012 eine frühere, schubschwächere BE-3-Variante mit rund 100.000 Pfund Schub (etwa 445 Kilonewton) am benachbarten E-1-Prüfstand in Stennis erprobt.
Die Vereinbarung fällt in eine schwierige Phase für New Glenn: Am 28. Mai 2026 explodierte die Erststufe der rund 98 Meter hohen Rakete während eines Standfeuer-Tests am Startkomplex 36 in Cape Canaveral in Florida, dem bislang einzigen einsatzbereiten Startplatz des Unternehmens für diese Rakete. Wie viele der sieben BE-4-Triebwerke der Erststufe zu diesem Zeitpunkt bereits zündeten, ist öffentlich nicht im Detail bestätigt; Verletzte gab es nach Unternehmensangaben keine, die Startanlage wurde jedoch erheblich beschädigt. Ende Juni erklärte Blue-Origin-Chef Dave Limp, erste Analysen deuteten auf den hinteren Bereich der Erststufe hin, die genaue Ursache sei aber weiterhin unklar. Brancheneinschätzungen zufolge könnten Reparaturen mehr als ein Jahr dauern - Limp selbst hatte sich Anfang Juni noch deutlich optimistischer geäußert und mit einer Rückkehr zum Flugbetrieb noch vor Ende 2026 gerechnet, ein Ziel, das Branchenbeobachter als sehr ambitioniert einstuften. Ob die Stennis-Vereinbarung eine direkte Folge dieses Rückschlags ist, geht aus den bisherigen Mitteilungen beider Seiten nicht hervor - dass Blue Origin nun zusätzlich auf eine unbeschädigte NASA-Anlage ausweichen kann, dürfte angesichts der Lage in Florida aber gelegen kommen.
New Glenn ist zugleich die Trägerrakete für Blue Origins Mondlander Blue Moon Mark 1, den das Unternehmen im Rahmen der neuen Moon-Base-Initiative der NASA einsetzen soll. Ende Mai 2026 vergab die Raumfahrtbehörde einen Auftrag im Umfang von 188 Millionen US-Dollar plus einer Optionsperiode über 280,4 Millionen US-Dollar an Blue Origin, um mit dem Mark-1-Lander unter anderem Mondfahrzeuge der Firmen Astrolab und Lunar Outpost zur Südpolregion des Mondes zu bringen. Blue-Origin-Chef Dave Limp erklärte zur Stennis-Vereinbarung: 'Stennis hat einst geholfen, Amerikaner zum Mond zu bringen, und durch diese Partnerschaft wird es helfen, uns zurückzubringen.' (Übersetzung der Redaktion)
- Der B-2-Prüfstand testete 1967 bis 1970 die Saturn-V-Erststufen für das Apollo-Programm und zuletzt die SLS-Kernstufe vor Artemis I, seit 1985 National Historic Landmark
- New-Glenn-Oberstufe: zwei BE-3-Triebwerke mit je rund 890 Kilonewton (etwa 91 Tonnen) Schub im Vakuum
- Heißgastests am B-2-Prüfstand sollen im Herbst 2026 beginnen
- Vereinbarung fällt in die Aufarbeitung der New-Glenn-Explosion vom 28. Mai 2026 in Cape Canaveral - offen ist, wie viele der sieben BE-4-Triebwerke zündeten
- New Glenn befördert den Mondlander Blue Moon Mark 1 für die neue NASA-Moon-Base-Initiative (Auftrag über 188 plus 280,4 Millionen US-Dollar)
- NASA: NASA to Support Blue Origin New Glenn Rocket Testing, Advance ArtemisPrimärquelle
- Wikipedia: 2026 New Glenn rocket explosion
- Magnolia Tribune: NASA, Blue Origin agree to rocket testing at Stennis
- Via Satellite: NASA to Support New Glenn Hot Fire Testing at Stennis Space Center
- WLOX: NASA, Blue Origin partnership to include testing at Stennis Space Center
- SpacePolicyOnline: NASA Awards Initial Moon Base Rover and Lander Contracts
Wie diese Meldung entstanden ist: Recherchiert und geschrieben mit KI-Unterstützung auf Grundlage der oben genannten Quellen, anschließend automatisiert gegen die Originalquellen geprüft und überarbeitet. Redaktionell verantwortlich: Sirwan Aminy.