Mondprogramm
ESA ordnet Mondprogramm nach NASA-Kurswechsel neu
Der ESA-Rat billigt Verhandlungen für die einmonatige Astronautenmission EPIC und richtet die drei europäischen Gateway-Beiträge nach NASAs Rückzug von der Mondstation neu aus.
Der Rat der Europäischen Weltraumorganisation ESA hat auf seiner 347. Sitzung am 16. und 17. Juni 2026 in Paris eine grundlegende Neuausrichtung der drei europäischen Beiträge zur Mondraumstation Gateway beschlossen. Grund ist die Entscheidung der US-Raumfahrtbehörde NASA vom 24. März 2026, das Gateway-Programm in seiner bisherigen Form zu pausieren und stattdessen rund 20 Milliarden US-Dollar über sieben Jahre direkt in eine dauerhafte Infrastruktur auf der Mondoberfläche zu lenken.
NASA begründete den Kurswechsel mit hohen Kosten und technischer Komplexität, die Ressourcen von direkten Mondlandungen abgezogen hätten. Der neue Plan sieht drei Phasen vor: zunächst wiederholbare robotische und Technologiemissionen, danach halbstationäre Infrastruktur mit regelmäßiger Logistikversorgung, schließlich der Einsatz frachtfähiger Landesysteme für eine dauerhafte menschliche Präsenz. Internationale Partner wie Kanada, Europa, Japan und die Vereinigten Arabischen Emirate müssen ihre bisherigen Beiträge für dieses neue Konzept umbauen.
Für die ESA betrifft das drei Bauteile: das Wohnmodul Lunar I-Hab, das Logistik- und Betankungsmodul Lunar View sowie das Kommunikationssystem Lunar Link. Beim Wohnmodul entschied der Rat, die Entwicklung bis zum kritischen Design-Review fortzusetzen, der letzten großen Prüfstufe vor der Serienfertigung. Erst danach will die Agentur bewerten, ob und wie sich Lunar I-Hab für ein anderes Ziel umnutzen lässt.
Bei Lunar View wird das Entwicklungstempo gedrosselt, die ESA will aber Schlüsseltechnologien für künftige Tiefraummissionen bewahren, darunter die Betankungstechnik. Lunar Link, das Kommunikationssystem, soll entweder als eigenständiger Kommunikationssatellit im Mondorbit weiterverwendet oder in das ESA-Programm Moonlight integriert werden, das eine Satellitenkonstellation für Navigation und Kommunikation rund um den Mond aufbauen soll. Thales Alenia Space France, das Lunar Link ursprünglich entwickelte, bleibt an den Folgearbeiten beteiligt.
ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher beschrieb die Stimmung im Rat nach eigenen Angaben als sehr gut. Er bestätigte, dass die Agentur mit der NASA weiter über eine europäische Rolle bei der bemannten Mondlandung verhandelt, und äußerte den Wunsch, dass auch europäische Astronautinnen und Astronauten auf der Mondoberfläche landen. Zusätzlich laufen laut Aschbacher Gespräche über zwei weitere europäische Servicemodule, die als Antriebs- und Versorgungseinheiten für die NASA-Raumkapsel Orion dienen.
Unabhängig von der Gateway-Frage genehmigte der Rat Verhandlungen zu einem eigenen astronautischen Missionskonzept namens EPIC, kurz für ESA Provided Institutional Crew. Die Mission soll europäischen und internationalen Astronautinnen und Astronauten Flugmöglichkeiten von etwa einem Monat Dauer bieten. Über Trägersystem und Zeitrahmen ist noch nichts entschieden, die ESA darf nun lediglich mit potenziellen Partnern in Verhandlungen treten.
Der Rat billigte außerdem eine erweiterte und bis Januar 2032 verlängerte Kooperationsvereinbarung mit der indischen Raumfahrtagentur Indian Space Research Organisation (ISRO). Sie deckt künftig auch bemannte und robotische Exploration, Weltraumwetter-Forschung und die Nachhaltigkeit von Weltraumaktivitäten ab.
Auf der administrativen Seite bestellte der Rat zwei neue Direktorinnen und Direktoren: Christine Klein übernimmt ab 1. Juli 2026 den Bereich Controlling, Finanzen und operative Beschaffung, Jean-Luc Trullemans ab 1. Januar 2027 den Bereich Strategie, Recht und externe Angelegenheiten. Renato Krpoun leitete seine letzte Sitzung als Ratsvorsitzender, sein Nachfolger Juan Carlos Cortes tritt das Amt am 1. Juli 2026 an. Griechenland erhält zusätzliche 361 Millionen Euro für sein nationales Satellitenprogramm bis 2031, die Kooperation mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wurde um fünf Jahre bis 2031 verlängert, und der Rat gab einen Statusbericht zur Weltraumsicherheit zur Veröffentlichung frei.
Die nächste große Weichenstellung fällt beim Ministerratstreffen auf Zwischenebene am 15. Dezember 2026 in Rom. Dort sollen die Mitgliedstaaten Europas Rolle im kommenden Jahrzehnt der Mondexploration sowie die konkrete Verwendung der drei Gateway-Module festlegen.
- ESA passt Lunar I-Hab, Lunar View und Lunar Link nach NASAs Gateway-Kurswechsel an
- Rat genehmigt Verhandlungen zur einmonatigen Astronautenmission EPIC
- Kooperation mit der indischen Raumfahrtagentur ISRO bis Januar 2032 verlängert
- Griechenland erhält 361 Millionen Euro zusätzlich für sein Satellitenprogramm
- Ministerratstreffen am 15. Dezember 2026 in Rom soll Europas Mondstrategie festlegen
- ESA: Key outcomes of the 347th ESA Council meeting (N° 31-2026)Primärquelle
- European Spaceflight: ESA Details Next Steps for Agency's Gateway Contributions
- SpacePolicyOnline: What's Happening in Space Policy June 14-20, 2026
- SpaceNews: NASA halts work on Gateway to develop a lunar base
- SpaceWatch.Global: ESA Council Sets December Ministerial in Rome, Reframes Exploration After NASA's Gateway Decision
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